Alle Beiträge von Max Havemann

Aus Hass mach Hoffnung – wie wir Sprache verändern können

Schüler*innenbericht: Am 12.05.26 hat uns Frau Irmela Mensah- Schramm aus Berlin besucht, die durch ganz Deutschland reist und den Schüler*innen erklärt, wie man mit rechtsextremen Parolen umgeht. Sie hat uns viele Geschichte erzählt, welche sie selber erlebt hat. Wir haben die Idee kennengelernt, Hass nicht einfach stehen zu lassen, sondern kreativ und klar dagegenzuhalten. Die Besucherin hat gezeigt, wie man rechte Parolen in positive Botschaften verwandeln kann, zum Beispiel durch neue Worte oder Symbole wie Herzen. Danach haben wir selbst Sprüche auf Papier umgestaltet und so aus Ausgrenzung Ermutigung gemacht. Das hat Spaß gemacht, stimmte aber auch nachdenklich, weil man merkt, wie Sprache wirken kann.

Ein Stadtrundgang gegen das Vergessen

von Ida Jäntsch (Klasse 10c)

Am Freitag, dem 29.05.2026, hatte unsere Klasse (10c) die Gelegenheit, gemeinsam mit unseren Sozialkundelehrerin Ludmila Lutz-Auras an einem besonderen Stadtrundgang teilzunehmen. Dieser fand im Rahmen der Ausstellung „Frauen im Widerstand – gegen den Nationalsozialismus“ statt. Dabei wurden uns die Lebensgeschichten von vier Frauen nähergebracht, die sich gegen den Nationalsozialismus eingesetzt haben. Der Rundgang begann an unserer Schule mit der Geschichte von Maria Vaders. Im weiteren Verlauf erfuhren wir mehr über Marianne Grunthal, Maria Seidenberger und Irmela Mensah-Schramm. Die Führung war sehr informativ und bot spannende Einblicke in das Leben dieser Frauen. Besonders beeindruckend war die Geschichte von Irmela Mensah-Schramm, da sie sich bis heute aktiv gegen Rechtsextremismus und für Demokratie engagiert. Ein herzlicher Dank gilt den „Omas gegen Rechts“, die die Ausstellung nach Wismar gebracht haben. Ebenso bedanken wir uns bei Frau Thalmann für die Organisation der Führungen für den gesamten zehnten Jahrgang. Wir hoffen, dass auch zukünftige Schülergenerationen die Möglichkeit erhalten, sich mit diesem wichtigen Thema auseinanderzusetzen, und dass die Ausstellung noch einmal nach Wismar kommt.

Gedichte: „Blinde Augen“/“Gegen die geldgeile Gier“

Die folgenden Gedichte sind im Deutschunterricht der 10. Klasse bei der Auseinandersetzung mit der Epoche des Sturm und Drang entstanden. Ausgehend von Goethes „Prometheus“ haben die Schüler*innen die Themen in eigenen literarischen Versuchen aktualisiert.

BLINDE AUGEN

von Elena Westendorf und Ophelia Dzikus

Eure Augen sind geschlossen,
und deshalb wird immer mehr Blut vergossen.
Ihr seht die Welt nur durch Gewalt,
doch euer Weg ist leer und kalt.

Ihr löst die unnötigsten Konflikte im Krieg,
doch bringt er nur Hass und niemals den Sieg.
Er bringt nur Trauer, Leid und Tod,
und stürzt die Welt in tiefste Not.

Ihr wollt uns zwingen, für euch zu gehen,
in Reihen still im Sturm zu stehen.
Zur Wehrpflicht ruft ihr laut und stolz,
doch baut ihr Zukunft nur auf Holz.

Denn eure Macht ist schwach und klein,
sie kann kaum nur durch Befehle sein.
Ihr hört nicht, was die Menschen sagen,
und wollt doch über ihnen ragen.

Ihr seid Egoisten, stolz und blind,
die taub für jeden Frieden sind.
Ihr sucht im Streit nur Ruhm und Geld,
doch nennt euch Helden dieser Welt.

Meine Gedanken, Herz und Leben,
sind nicht für euren Krieg gegeben.
Meine Welt gehört nicht euch allein,
sie soll für alle Menschen sein.

Wären eure Augen endlich offen,
würdet ihr auf Frieden hoffen.
Ihr würdet sehen, klar und weit,
die Sehnsucht nach Gerechtigkeit.

Dann würdet ihr die Stimmen hören,
die sich dem Wahnsinn widersetzen und empören,
und ihr würdet endlich einmal sehen,
dass Menschen lieber friedlich gehen.

Doch bleibt ihr blind und stolz zugleich,
zerbricht am Ende euer Reich,
denn keine Macht und kein Soldat
besiegt der Menschen Friedenspfad.

Gegen die geldgeile Gier

von Helene Burba, Pit Schwarz und Tora Barfels

Welch trübseliger Alltag erwartet mich heut?
Aufwachen um sieben,
ich bin nicht erfreut.


Raus aus dem Bett,
ab in das Bad
mein Bus kommt gleich
man ist das hart.

Schau aus dem Fenster,
höhr den Apell.
Sie demonstrieren für Freiheit
wie ein wahrer Rebell.


Auch ich wär gern frei
im grünen Grasland
würd ich gern sein.

Befreit von den Ketten der geldgeilen Schweine
welche meinen ihre Existenz
wär‘ mehr wert als meine.
Liebendgern‘ würd‘ ich sie stürzen,
ihre Lebensdauer um die Menge ihres Geldes verkürzen.

Von ordinärer Ordnung gelöst, hät‘ ich Indepedenz
und die kahle Korruption der Kapitalisten entblößt.

Meine Freunde, meine Genossen,
organisiert euch, bleibt entschlossen,
nur gemeinsam können wir
besiegen ihre Gier!

Kurzgeschichte „Der Morgen, der nie endet“

von Hedi Wigger (11a)

Ich blickte zum Himmel hinauf. Er war strahlend blau, die Sonne schien und die Vögel zwitscherten. Es war einer dieser seltenen Morgen, an denen alles so ruhig und friedlich erschien. Ein Morgen, der aufgrund seiner Stille die eigenen Gedanken lauter werden ließ. Drinnen im Haus hörte ich das Geschirr klappern und wurde aus meinen Gedanken gerissen. Es war meine Tochter Sophie, die sich gerade ihr Frühstück machte und ihre Schultasche für ihre wichtige Prüfung packte. Du schaffst das schon! „, ermutigte ich sie. Sie grinste nur kurz und zuckte mit den Schultern. „Ist doch nur eine Prüfung.“ Ich musste leise lachen. Sie war so eigenständig und selbstbewusst. Während ich sie ansah, fiel mir auf, wie sehr sie sich verändert hatte. Wann war sie so groß geworden? Vor meinen Augen sah ich sie wieder, wie sie mit ihren zerzausten Haaren durchs Haus rannte und nach mir rief. Jetzt sah ich eine wunderschöne erwachsene junge Frau. Ein Gefühl von Nostalgie überkam mich. Gleichzeitig spürte ich einen Stich in meiner Brust. Ich hatte so viel von ihrem Leben verpasst, dachte ich. Warum war mir die Arbeit immer wichtiger gewesen als die Zeit mit meiner eigenen und einzigen Tochter? Ich brauchte einen Moment zum Durchatmen und setzte mich an den Küchentisch. Dann war es auch schon halb acht und ich fuhr Sophie, wie jeden Morgen, zur Schule. Wir stiegen ins Auto und machten uns schweigend auf den Weg. Die Straßen waren noch ruhig, und es waren kaum Autos unterwegs. Es passte zu diesem Bilderbuch-Morgen. Ich wünschte, ich könnte diesen Moment festhalten. Einfach anhalten und ihn für immer bewahren. Als wir ankamen, stieg Sophie aus. Sie schlug die Autotür zu und drehte sich noch einmal zu mir um. „Viel Erfolg, du schaffst das!“, rief ich ihr zu. Sie sagte nichts weiter, und dann drehte sie sich um und ging ins Schulgebäude. Ich sah ihr noch einen Augenblick lang nach, bis sie durch die Eingangstür verschwand. Während ich dort mit geschlossenem Fenster im Auto saß, ging eine junge Frau an mir vorbei und sah mich kurz an. Ihr Blick wirkte besorgt und mitleidig. Ich verstand nicht warum, also ignorierte ich sie und fuhr wieder los. Auf dem Heimweg dachte ich an all die Momente, die ich mit Sophie verpasst hatte. Ihre ersten Schritte, ihr erstes Wort, welches nicht einmal „Mama“ war und sogar ihre Einschulung. Ich war nie da gewesen. Immer dachte ich, ich hätte dafür noch genug Zeit. Jetzt war sie erwachsen. Und ich bereue es, in ihrer Kindheit keine gewöhnliche und liebevolle Mutterrolle eingenommen zu haben. Als ich zuhause ankam, holte ich die Fotoalben raus und blätterte Seite für Seite durch. Da war sie als Baby, das süßeste jemals. Da war sie im Kindergarten mit ihrem viel zu großen Rucksack. Und da war sie auf ihrem ersten Schulfoto mit ihrem schiefen Lächeln. Keines der Bilder mit mir oder von mir aufgenommen. Mir liefen Tränen übers Gesicht. Ich saß stundenlang dort, verloren in Erinnerungen. Plötzlich klingelte es an der Tür. Überrascht blickte ich auf, ich erwartete keinen Besuch. Als ich die Tür öffnete, stand die Frau von der Schule vor mir. „Guten Tag“, sagte sie vorsichtig. „Mein Name ist Frau Schmidt. Ich war eine Lehrerin ihrer Tochter.“ Ich runzelte verwirrt die Stirn. „Ich sehe Sie jeden Tag vor der Schule und bin sehr besorgt.“ „Natürlich“ antwortete ich irritiert. „Ich bringe meine Tochter zur Schule. “ Die Frau sah mich mit traurigem Blick lange an. Sie schlug vor, dass wir uns setzen. Ich fühlte mich unwohl. „Ich glaube Sie brauchen Hilfe, professionelle Hilfe“, sagte sie vorsichtig. Ich verstand nun noch weniger. „Wobei brauche ich Hilfe?“, entgegnete ich verwundert. „Ich weiß, dass es schwer ist, so etwas zu verarbeiten, aber es ist keine Schande, wenn Sie es nicht allein schaffen.“ Was muss ich verarbeiten? Was meint sie? Ich fragte die Frau, was sie von mir möchte. Sie sah mich mit mitleidigem Blick an. „Sophie ist tot. Sie ist vor über einem Jahr auf dem Weg zur Schule gestorben“, sagte sie verzweifelt. „Ich denke, Sie können es nicht allein schaffen damit umzugehen. Ich habe gute Kontakte, die Ihnen dabei helfen können.“ Doch den Rest, den sie mir erzählte, nahm ich gar nicht mehr wahr. Mein Kopf begann zu schmerzen. Ich verstand die Weltnicht mehr. Ich sah Sophie doch noch genau vor mir, wie sie heute vor der Schule stand, sich umdrehte und mir noch einmal zu winkte.

Wettkampf der Gymnasien

von Tjorven Helene Grundmann

Am 1. Mai 2026 fand wieder das traditionelle Fußballspiel „GSG vs. GHG“ der 11. Jahrgänge statt. Bei bestem Wetter haben die Jungs dem zahlreich erschienenen Publikum ein spannendes Spiel geboten. Da ein Tor für das GSG aufgrund von Abseits nicht gewertet wurde, hat am Ende das GHG mit 2:1 gewonnen. Das gültige Tor für unsere Schule erzielte Magnus Bachler in der zweiten Halbzeit per Elfmeter. Für die Verpflegung war dank vieler Helfer*innen gesorgt, sodass wir einen tollen Beitrag für unsere Abikassen erwirtschaften konnten.

Theaterbesuch „Die Räuber“

Am 16.04.2026 haben die 9. Klassen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Wismar eine Inszenierung des Theaterstücks „Die Räuber“ im Jungen Staatstheater Parchim besucht. Zuvor haben die Schülerinnen und Schüler das Originaldrama von Friedrich Schiller im Deutschunterricht gelesen und behandelt. Dieser hatte das Werk, welches schon kurze Zeit später Premiere feiern konnte, mit nur 23 Jahren verfasst. Daher ist es sehr passend, dass das Junge Staatstheater Parchim dieses Stück in einer modernen Fassung realisiert hat.

Einige Anpassungen waren deutlich tagesaktuell, so fand nicht nur der ‚Wismarer‘ Wal, sondern auch der Bundeskanzler Erwähnung. Der freie Umgang mit dem Ausgangstext fand nicht bei allen Zuschauenden Anklang. In der Auswertung der Aufführung haben sich viele Schülerinnen und Schüler mehr Treue zum Original gewünscht. Ebenso wurden die expliziten Gewaltdarstellungen mit einigen Splattereffekten als übertrieben empfunden. Die Bühnentechnik und die schauspielerische Leistung hingegen wurden von fast allen gelobt.

Der Besuch der Inszenierung sorgte für viel Gesprächsstoff, sodass für den Literaturunterricht eine ganz neue Perspektive eröffnet wurde. Die 9. Klassen konnten sich durch diesen Ausflug von der ungebrochenen Aktualität der „alten“ Texte überzeugen und sind voller Vorfreude auf den kommenden literarischen Abend. Am 03.06.2026 um 19 Uhr findet das preisgekrönte Literaturkonzert „Deutschland, siehst du das nicht?“ in unserer Aula statt. In diesem Stück werden Texte sowie Musik der späten Weimarer Republik zusammengeführt und auf die Gegenwart übertragen.

Das Video vermittelt einen ersten Eindruck der modernen Inszenierung, für weitere Informationen hat das Theater zudem eine Broschüre herausgegeben.

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Literaturkonzert „Deutschland, siehst du das nicht?“

Unsere Schule hat die besondere Gelegenheit, ein außergewöhnliches Literaturkonzert auszurichten: Im Rahmen der Auszeichnung mit dem Hans-Frankenthal-Preis ermöglichen Roman Knižka und das Bläserquintett OPUS 45 eine kostenfreie Abendveranstaltung für unsere Schule und die Öffentlichkeit.

Das Konzert mit dem Titel „Deutschland, siehst du das nicht?“ greift eine eindringliche Zeile von Kurt Tucholsky auf und setzt sich mit der Frage auseinander, wie Demokratien scheitern können – und welche Lehren sich daraus für die Gegenwart ziehen lassen. In einer rund 90-minütigen Performance verbinden die Künstler Literatur sowie Musik der späten Weimarer Republik und Zeitgeschichte zu einem eindrucksvollen Bühnenprogramm.

Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der Klasse 9 sowie an Eltern und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Besonders spannend: Die Künstler beziehen die regionale Geschichte der Jahre 1929 bis 1933 gezielt in das Programm ein und schaffen so einen direkten Bezug zu unserem Umfeld.

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, den 3. Juni, um 19 Uhr statt und wird vollständig kostenfrei angeboten. Ermöglicht wird das Konzert durch die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern.

Wir freuen uns auf einen gemeinsamen Abend, der zum Nachdenken und Austausch einlädt.

Exkursion des Sozialkunde-Leistungskurses zum Bundestag

von Tina Scheuermann und Nele Gartzlaff

Der Bundestag ist das Herz der politischen Entscheidungsfindung in Deutschland. Seit 1949 ist er ein Ort des Austauschs politischer Interessen und der Mitbestimmung – eine Institution, die uns als Gesellschaft repräsentiert und Freiheit, Frieden und Diplomatie mithilfe der wehrhaften Demokratie verteidigt.

Viele sagen heutzutage, dass die Politik „von oben“ kommt und es zu wenig Mitbestimmung gibt. Doch wir konnten uns vom Gegenteil überzeugen, denn wir haben das politische Geschehen im Bundestag live miterlebt. Es ist viel komplexer, anstrengender und verzweigter, als man manchmal denkt und in den Medien sieht. Seid gespannt, was uns erwartet hat.

Wir waren da: Der Sozialkunde-Leistungskurs der Klasse 11, drei Schüler*innen des Sozialkundekurses aus der Jahrgangsstufe 12, Frau Lutz-Auras, Herr Schlicht, Frau Gundlack und eine Gruppe von Senior*innen sind am Freitag, den 17.04.2026, vom ZOB Wismar zum Reichstagsgebäude nach Berlin gefahren. Voller Vorfreude, Interesse und noch mit leichter Müdigkeit ging es um Punkt 7:00 Uhr los.

Auf der Fahrt wurde gequatscht, diskutiert und spekuliert: Wie wird es dort wohl sein und mit welchen neuen Eindrücken und Meinungen werden wir das Gebäude wieder verlassen?

Angekommen im Berliner Stadtverkehr gab es bereits einiges zu sehen. Der Busfahrer Tom berichtete uns Interessantes aus seiner langjährigen Berufserfahrung. Wusstet ihr zum Beispiel, dass es, wenn die Straße des 17. Juni wegen besonderer Anlässe gesperrt ist, ein riesiges Bus-Chaos gibt und sie während der WM mit Kunstrasen ausgelegt wurde? Außerdem erzählte er uns, dass nahe der ehemaligen Grenze die Straßenverläufe extra kurvig und verwirrend gebaut wurden, um schnelles Fahren zu verhindern.

Unser Weg zum Reichstagsgebäude führte vorbei am Charlottenburger Schloss, dem Schloss Bellevue, wo der Bundespräsident seinen Sitz hat, dem Brandenburger Tor, der Siegessäule sowie dem Kanzleramt, der Spree und der Kita des Bundestages – ja, es gibt tatsächlich einen Kindergarten für die Kinder der Mitarbeiter. Immer wieder sahen wir den Streifen der ehemaligen Mauer, auf den uns der Busfahrer aufmerksam machte.

Der Busfahrer kurvte uns souverän durch den chaotischen Verkehr in Berlin, während er uns humorvoll das Regierungsviertel vorstellte. An dieser Stelle schon einmal vielen Dank für diese entspannte und interessante Fahrt, lieber Tom.

Und schon waren wir da – die Spannung stieg. Wir hielten vor dem Paul-Löbe-Haus und mussten zunächst durch den Security-Check. Wir alle, und besonders Herr Schlicht, waren verständlicherweise ziemlich aufgeregt.

Dann durften wir mit tollem Blick und einer Auswahl aus drei Gerichten im Paul-Löbe-Haus zu Mittag essen. Dabei wurden wir auf das richtige Verhalten und die Regeln hingewiesen. Besonders im Plenarsaal gilt: nicht klatschen, keine politischen Botschaften, Ruhe und Handys aus!

Aber erst einmal hieß es warten. Das war jedoch gar nicht so schlimm, da man den Saaldienern, die uns die Plätze zuwiesen, Fragen zum Bundestag stellen konnte und wir tolle Gespräche untereinander geführt haben, wodurch die Zeit wie im Flug verging.

Auf der Zuschauertribüne des Bundestages durften wir, nachdem wir durch den Tunnel vom Paul-Löbe-Haus dorthin geführt wurden, eine Plenarsitzung über die militärische Eskalation und die humanitäre Notlage im Libanon miterleben.

Die Meinungen waren zwar alle sehr ähnlich, aber wir erlebten, wie unterschiedlich Politiker Stilmittel gezielt einsetzen oder sich auch mal versprechen (und der Bundestagsvizepräsident mit „Bundestagspräsidentin“ angesprochen wurde). Von einigen wurde die Lage durch persönliche Eindrücke emotional dargestellt und stark zugespitzt, bei anderen waren die Reden eher nüchtern und weniger mitreißend. Dabei kam deutlich zum Ausdruck, wie unterschiedlich Aussprache, Mimik und Gestik waren, wodurch ähnliche Sachverhalte ganz verschieden dargestellt wurden.

Am Ende kamen die Parteien zu ähnlichen Ergebnissen, darunter die Notwendigkeit einer Entwaffnung der Terrororganisation Hisbollah und ein Ende der israelischen Luftangriffe auf den Libanon. Auf einer der Zuschauertribünen war auch die libanesische Botschafterin, Abir Ali, anwesend.

Unsere Blicke waren während der Reden immer wieder auf die Saaldiener im Plenarsaal gerichtet, die blitzschnell nach jedem Redner die Gläser austauschten. Dabei wunderten wir uns, woher sie die ganzen Gläser nahmen – das wissen wir bis heute nicht. Jedoch wissen wir jetzt, dass die Saaldiener deutlich mehr Aufgaben haben, als man denkt, wie z. B. Nachrichten zu überbringen, das Mikrofon anzupassen und vieles mehr. Sie sind ein eher unsichtbarer, aber wichtiger Teil des komplexen Tagesablaufs im Bundestag.

Nach diesen interessanten Beobachtungen sollte es zum Austausch mit Frank Junge gehen, der jedoch leider nicht mehr vor Ort war. Stattdessen wurden wir von einem seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter empfangen, der uns einen Einblick in seine tägliche Arbeit gab. Alessandro Campione bot uns direkt das sozialdemokratische „Du“ an und beantwortete wortgewandt und voller Euphorie unsere Fragen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits davon ausging, seine Arbeit zu verlieren, sobald Frank Junge zum Bürgermeister von Wismar gewählt wird.

Eine Frage war, ob es überhaupt demokratisch sei, mitten in einer Legislaturperiode sein Bundestagsmandat abzugeben. Darauf antwortete Alessandro, dass es sich um einen normalen politischen Prozess handele. Dennoch sei es legitim, die Entscheidung zur Kandidatur kritisch zu sehen, da er für die Interessenvertretung im Bundestag gewählt worden sei. Hier wurde deutlich, dass Politik oft einem schnellen Wandel unterliegt.

Eine weitere Frage war, wie der Alltag eines Abgeordneten aussieht. Die Arbeit von Frank Junge ist geprägt durch Sitzungswochen in Berlin und Wahlkreiswochen in Mecklenburg-Vorpommern und umfasst Haushalts- und Finanzpolitik, Ausschusssitzungen, Arbeitsgruppen und Plenardebatten sowie den intensiven Austausch mit Bürgern. Als Abgeordneter seit 2013 engagiert er sich besonders für Tourismus, Finanzen und den Haushalt.

Nach diesem interessanten Tag beendeten wir unsere Tour mit dem Besuch der Reichstagskuppel. Von dort aus hatte man einen wunderschönen Blick über ganz Berlin. Es ist wirklich beeindruckend, was man von dort aus alles sehen kann: die Charité, Botschaften, eine Imkerei und vieles mehr.

Ein Moment, der uns besonders in Erinnerung bleiben wird, war der Toilettenbesuch, bei dem wir ganz ordentlich und professionell von Toilettenzuordnerinnen begleitet wurden – etwas skurril, aber passend zum Bundestag.

Mit dem Aufzug ging es wieder nach unten und hinaus aus dem Reichstagsgebäude. Vor dem riesigen Gebäude, in dem so viel entschieden wird, fühlte man sich plötzlich ganz klein. Gleichzeitig wurde uns bewusst, wie viel man als Gemeinschaft erreichen kann, wenn man konstruktiv zusammenarbeitet, Kompromisse findet und gemeinsam Entscheidungen trifft.

Und plötzlich war der Tag, auf den wir uns so lange gefreut hatten, auch schon vorbei. Wir saßen im Bus nach Hause – etwas mehr als Kurs zusammengewachsen, in Gedanken versunken, voller neuer Eindrücke und etwas erschöpft.

An diesem Tag haben wir mit ganz anderen Methoden gelernt als sonst. Jetzt wissen wir, dass Politik oft hinter verschlossenen Türen stattfindet, die Debattenkultur weniger verroht ist, als man manchmal denkt, Politiker auch nur Menschen sind und deutlich mehr Akteure beteiligt sind, als man vermutet. Eine große Rolle spielt dabei – wie wir gelernt haben – auch „Vitamin B“ (Beziehungen im Hintergrund).

Also nicht verzweifeln: Politik kommt nicht nur „von oben“. Sie ist vielschichtiger, als man denkt, und auch unsere Meinungen werden berücksichtigt.

Ein großes Dankeschön geht an Herrn Schlicht und Frau Lutz-Auras, die diese Fahrt ermöglicht und unseren politischen Horizont erweitert haben. Außerdem danken wir Frau Gundlack für die Begleitung und Alessandro für das spannende Gespräch. Der Tag wird uns noch lange in guter Erinnerung bleiben und bei dem einen oder anderen das Interesse an Politik weiter verstärkt haben.