
Am Tag der Bundestagswahl versammelte sich der Sozialkunde-Leistungskurs der 11. Klassen um 15 Uhr in der Schule, um das politische Geschehen zu verfolgen und hautnah dabei zu sein. Denn Demokratie bedeutet mehr als nur ein Kreuz auf dem Stimmzettel, sie lebt vom Austausch und der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven. Und genau das wollten wir an diesem besonderen Tag erleben.
Nach einer kleinen Stärkung mit frisch mitgebrachten Brezeln einer Mitschülerin und Getränken, die unser Lehrer uns netterweise spendierte, machten wir uns in kleinen Gruppen auf den Weg zum Marktplatz und zum Hafen. Unser Ziel war es, mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen und ihre Meinungen zu zentralen politischen Fragen einzuholen. Besonders interessierte uns, ob das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt werden sollte, welche politischen Themen für die Menschen derzeit am wichtigsten sind, was sie von der nächsten Bundesregierung erwarten, wie sie sich auf diese Wahl vorbereiteten und wie sie die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft wahrnehmen.
Die Gespräche waren spannend und vielseitig. Während einige eine Absenkung des Wahlalters begrüßen würden, hielten andere sie für verfrüht. Themen wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Sicherheit standen für viele an oberster Stelle. Auch die gesellschaftliche Spaltung wurde unterschiedlich bewertet. Manche sahen sie als ernsthafte Bedrohung, während andere betonten, dass Meinungsvielfalt zur Demokratie gehört. Auch stellten wir fest, dass der Wahl-O-Mat ein sehr beliebtes Tool war, um sich auf die Bundestagswahl zu informieren und immer weniger Menschen das eigentliche Wahlprogramm der verschiedenen Parteien lesen. Besonders beeindruckend war, wie offen und reflektiert viele Menschen ihre Sichtweisen mit uns teilten. Jedoch erhielten wir auch einige Absagen, da Politik ein sehr emotionales Thema für viele Menschen ist.
Nach diesen eindrucksvollen Begegnungen kehrten wir in die Schule zurück, wo bereits eine wärmende Suppe mit Wursteinlage auf uns wartete, liebevoll zubereitet von einer engagierten Lehrerin. Ganz nach dem Motto: „Politik ist uns nicht Wurst!“. Dazu gab es Baguette und die 18Uhr Wahlprognose. Im Anschluss gab es die Möglichkeit bei der Auszählung der Briefwahlunterlagen zuzusehen. Im Erdgeschoss der Schule sind die verschiedenen Räume einem Stadtgebiet zugeordnet, von welchem dann die Stimmen ausgezählt werden. Da der gesamte Auszählungsvorgang von der Sortierung über die Auszählung bis zur Übermittlung der Stimmen öffentlich ist, konnten wir uns alles ansehen und Fragen dazu an die Wahlhelfer stellen. Dabei war es besonders interessant zu sehen, wie sich die Stimmvergabe an Kandidaten und Parteien in den einzelnen Stadtgebieten unterschieden hat. Manche Stimmzettel wurden jedoch durch Schriftzüge oder auch durch fehlerhafte Kenntlichmachung des Wählerwillens ungültig.
Rückblickend war es ein wirklich schöner und bereichernder Tag. Es war spannend zu erleben, wie unterschiedlich Menschen Politik wahrnehmen und welche Hoffnungen, aber auch Sorgen sie mit der Zukunft verbinden. Zu sehen, wie Demokratie im Alltag gelebt wird und wie wichtig es ist, sich aktiv einzubringen, war eine wertvolle Erfahrung, die uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle unseren Lehrkräften, da nur durch ihr Engagement dieser Nachmittag überhaupt erst möglich geworden ist.
Tim Glöde und Jette Prill, Sozialkunde Leistungskurs 11 der Großen Stadtschule