von Rabea Gutzmann
Wismar, 06.03.2026
Einen Einblick in ein Forschungsinstitut zu bekommen, ist gar nicht so einfach, schon gar nicht als einfache Chemie Grundkurse der 11. Klasse. Wir hatten also überhaupt keine Vorstellungen oder Erwartungen, als wir an diesem kalten Freitagmorgen in den Zug nach Rostock stiegen. Wir waren alle noch etwas müde, schon halb in Wochenend-Stimmung und trotzdem gespannt auf diesen Tag!
Nach einem kurzen Spaziergang zum Leibniz Institut für Katalyse, wurden wir von PhD Jannik Thaens gleich nett empfangen. Auf den ersten Blick machte das Gebäude von innen einen leeren Eindruck, für den ahnungslosen Schüler fast langweilig, doch wir sollten bald lernen, was sich hinter den Türen verbirgt. Jannik, selbst Doktorand, erzählte uns in einem kurzen Vortrag vom Institut, der Katalyse, ihren Formen und Aufgaben und ein klein wenig von aktuell laufenden Projekten mit Industriepartnern – der Rest geheim! Wenn man ganz genau hinsieht, sind Katalysatoren, also Beschleuniger chemischer Reaktionen, nämlich zahlreich bei uns selbst im Körper und in unserem Alltag zu finden.
Für die folgenden zwei Stunden durften wir drei Stationen im Institut kennenlernen: Druckversuche, Elektrochemie und Photochemie. Aufgrund der großen Komplexität dieser Gebiete fiel es uns zunächst schwer, die Faszination dieser für die dortigen Doktoranden zu verstehen, aber wir bemühten uns und stellten viele Fragen. Für die Druckversuche wurde uns erklärt wie Kohlenstoffmonoxid (CO) unter hohem Druck eine Reaktion beschleunigen kann. In der Elektrochemiestation durften wir uns dann selbst ein Andenken basteln. Mithilfe einer Goldlösung und einer Spannungsquelle konnten wir unser selbstgewähltes Metallmotiv vergolden lassen. So ähnlich wird wohl auch im großen Stil Metall vergoldet, eigentlich ganz einfach. Auch in der Photochemie war uns eine zentrale Reaktion bekannt: die Photosynthese. Hier werden unter Einstrahlung des Katalysators Sonnenlicht Wasser (H₂O) und Kohlenstoffdioxid (CO₂) zu Glucose (C₆H₁₂O₆) und Sauerstoff (O₂) gewandelt, ein enorm wichtiger und ständig laufender Prozess. Neben dem Sonnenlicht gibt es ein breites Spektrum an Wellenlängen, die ebenfalls Reaktionen beschleunigen und manche Stoffe ganz anders als im normalen Licht aussehen lassen können (da wurde plötzlich gelb zu pink…).
Zum Abschluss unserer Erkundungstour durften wir noch einen Blick ins Technikum werfen, in dem alle im Kleinen ausgetüftelten Experimente im großen Stil erprobt werden, das war sehr beeindruckend zu sehen! Riesige Gasspeicher, überall warnende Aufkleber vor giftigen Stoffen (Schutzbrillen nicht vergessen!), viele Monitore mit laufenden Analysen und Simulationen und doch konnten wir nichts so richtig sehen und mussten uns vieles einfach vorstellen. Da war der Fragenkatalog auf unsere Seite sehr lang.
Beim Mittagessen in der Mensa merkten wir: die Chemie, das ist doch eine ganz eigene Welt und nicht greifbar für jeden, der es mal eben probieren möchte. Sie ist gegenwärtiger als manch andere Naturwissenschaft, aber doch so fern in ihren Strukturen. Man muss sich richtig reinknien wollen und braucht eine abstrakte Denkweise, um hier als Doktorand anzuheuern.
Warum er denn überhaupt den Doktor macht, habe ich Jannik gefragt. Es verdient sich in der Chemie besser mit Promotionstitel und die Jobchancen sind größer – eine simple Antwort.
Der große Reichtum wartet in der Chemie wohl nicht, aber eine Schönheit für den, der sie sehen will!
Ein großes Dankeschön geht an unsere Lehrer Herrn Schlicht und Frau Buhrke für die Organisation! Außerdem natürlich an Jannik und alle seine Kollegen, die uns ihre Welt gezeigt haben!